ReqVidA - Requirements Video Analyzer

Einleitung

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In der Entwicklung von Software ist die Erhebung qualitativer Anforderungen an ein System ein entscheidender Faktor für den Projekterfolg. Dafür ist von Projektbeginn an eine intensive Kommunikation mit dem Kunden erforderlich. Diese muss umfassend dokumentiert werden, um auf Basis dessen hochwertige Anforderungen zu erheben.

Eine dafür gängige Technik sind Workshops, wobei es sich um ein strukturiert geführtes Zusammentreffen mehrerer ausgewählter Kunden handelt. Das Ziel eines Workshops ist durch kollaborative Zusammenarbeit angestrebte Ergebnisse, wie beispielsweise Anforderungen, zu erzielen.

Die Erfassung der Ergebnisse eines Workshops erfolgt meist in Form von einem textuellen Protokoll. Dabei ist es für den Protokollanten jedoch schwierig, alle relevanten Informationen des Gesprächs durch reines Zuhören und Aufschreiben zu erfassen. Aus diesem Grund bietet sich als zusätzliche Option zur Erfassung aller Informationen der Einsatz von Videoaufzeichnung an. Da ein Workshop jedoch meist einige Stunden dauert, wird das aufgezeichnete Video sehr lang und weist weiterhin keine direkte Verbindung zu den textuell erstellten Notizen auf. Durch die Länge des Videos und den fehlenden Bezug zu den Notizen besteht eine unübersichtliche Struktur, welche den Zugang zu den relevanten Videostellen erschwert. Die Verwendung von Protokoll und Video hilft zwar insgesamt bei der Sicherstellung der Erfassung aller Informationen, erleichtert aber nicht die Nachbereitung eines Workshops bezüglich der Ausarbeitung eines Protokolls.

An der Leibniz Universität Hannover wurde im Rahmen einer Masterarbeit das Werkzeug Requirements Video Analyzer (ReqVidA) entwickelt, mit dem ein Workshop per Video aufgezeichnet und gleichzeitig ein Protokoll erstellt werden kann. Mittels Annotationen können relevante Videostellen markiert und mit Notizen angereichert werden, wodurch eine übersichtlichere Struktur geschaffen wird. Durch die Verbindung von Notizen und Video kann die Belastung bei der Informationserfassung gemindert und die weitere Verwendung des Videos bei der Erstellung eines Protokolls vereinfacht werden.

Konzeption

ReqVidA unterstützt den Protokollanten eines Workshops in seiner gesamten Tätigkeit der Protokoll-Erstellung. Für diesen Zweck wurden vier Hauptkonzepte (siehe Abbildung 1) entwickelt, die sowohl den Protokollvorgang während eines Workshops als auch die Protokoll-Ausarbeitung in der Nachbereitung eines Workshops berücksichtigen.

ReqVidA - Konzepte

Abbildung 1 - ReqVidA-Konzepte

Im Folgenden werden die einzelnen Konzepte genauer vorgestellt.

1. Integration in den Workflow

Damit der Protokollant in seiner gesamten Tätigkeit unterstützt werden kann, ist es zwingend erforderlich, die neuen Funktionalitäten, wie die Aufzeichnung eines Videos, das Erstellen von Annotationen und die Strukturierung des Protokolls in den bisherigen Arbeitsfluss zu integrieren, ohne ihn dabei in seiner gewohnten Arbeit einzuschränken. Deshalb wurde festgelegt, dass es nur eine zentrale Hauptoberfläche gibt, die jeweils an die vorliegende Situation (Workshop-Durchführung / -Nachbereitung), angepasst wird. Damit werden der Fokus und die Interaktion des Protokollanten nicht über mehrere Anwendungen beziehungsweise Fenster hinweg verteilt, wodurch der entstehende Mehraufwand in der Bedienung reduziert wird.

2. Schaffung von Struktur

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Schaffung von Struktur unter gegebenenfalls mehreren Videos eines Workshops und in einem einzelnen Video selbst.

Bezüglich der Struktur unter mehreren Videodateien wurde eine Projektverzeichnisstruktur definiert, die durch das System automatisch erstellt und verwaltet wird. Dabei wurde speziell darauf geachtet, dass für eine manuelle Navigation in dem Projektverzeichnis übersichtliche Hierarchien und verständliche Bezeichner verwendet werden.

Für die Schaffung von Struktur in einem Video wurde auf das bereits existierende Konzept der Annotation zurückgegriffen. Während eines Workshops und in der Nachbereitung kann eine als relevant identifizierte Videostelle durch eine Annotation markiert und mit Informationen angereichert werden. Damit entsteht eine sichtbare Verbindung zwischen den erstellten Notizen und dem Video, mittels der eine relevante Videostelle leicht wiedergefunden, identifiziert und ausgearbeitet werden kann. In der Nachbereitung muss dadurch nicht erneut das gesamte Video vollständig angesehen werden, sondern es kann stattdessen fokussierter je nach Annotationen betrachtet werden. Als Folge reduziert sich der Aufwand und die Schwelle für die weitere Verwendung des Videos.

3. Flexibles Annotationssystem

Das Annotationssystem von ReqVidA stellt die Kernfunktionalität zur Verbindung von Notizen und Video dar. Aufgrund des fokussierten Anwendungsszenarios wurde das Annotationssystem für den Einsatz in Anforderungs-Workshops entwickelt. Daher bietet das System standardmäßig spezielle Annotationen mit entsprechenden Attributen zur Identifikation, Erhebung und Ausarbeitung von Anforderungen an.

Jedoch wurde das System für Annotationen in Hinblick auf die weitere Verwendung in zusätzlichen Anwendungsszenarien so konzipiert, dass es mittels Einstellungsoptionen für die Bedienung und die Annotationen selbst an die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Nutzers und seiner spezifischen Situation angepasst werden kann.

Bezüglich der Bedienung besteht neben der Möglichkeit die Shortcuts zur Erstellung von Annotationen beliebig zuzuweisen, weiterhin die Option den Inhalt einer durch einen Shortcut erstellten Annotation vorzudefinieren, um gegebenenfalls Zeit in der Erstellung und inhaltlichen Befüllung der Annotation einzusparen.

Im Kontext der Annotationseinstellungen ist der Nutzer von ReqVidA in der Lage eigene Annotationen mit spezifischen Attributen selbst zu definieren. Somit kann ReqVidA an die individuellen Eigenschaften eines Workshops, aber auch über seinen vorgesehenen Verwendungszweck hinaus, verwendet werden.

4. Automatisierte Ergebnisextraktion

Aufgrund der umfangreichen Ausarbeitungsmöglichkeiten für die Inhalte der Annotationen und des Protokolls ist es erforderlich, dass mittels eines flexiblen Exports das oder die gewünschten Artefakte automatisch extrahiert werden können. Diese Funktionalität ist entscheidend, um den nachträglichen Arbeitsaufwand eines Protokollanten bei der Zusammenführung seiner Ausarbeitungen zu minimieren.

Durch die vorliegenden strukturierten Daten besteht die Option den Export automatisiert durch das System durchführen zu lassen. Dabei ist vorgesehen, dass der Nutzer durch Einstellungsoptionen das gewünschte Ergebnis spezifizieren kann, um Listen oder sogar ein gesamtes Protokoll mit seinen erarbeiteten Daten zu erhalten.

Werkzeug

Das ReqVidA-System besteht aus den zwei Hauptkomponenten, Recorder und Analyzer. Diese beiden Komponenten werden im folgenden erläutert.

Recorder

ReqVidA - Recorder

Abbildung 2 - ReqVidA Recorder

Der Recorder dient der Aufzeichnung und Annotation des Bildes der Videokamera in Echtzeit. Er verfügt weiterhin über die Optionen ein Protokoll, ein Glossar und eine Stakeholder-Liste, während der Aufzeichnung, erstellen und bearbeiten zu können.

Analyzer

ReqVidA - Analyzer

Abbildung 3 - ReqVidA Analyzer

Der Analyzer hingegen wird für die Analyse eines Videos eingesetzt, wobei ebenfalls die Möglichkeiten der Erstellung und Bearbeitung von Annotationen, eines Protokolls, eines Glossars und einer Stakeholder-Liste bestehen. Weiterhin verfügt der Analyzer noch über die Option Snapshots aus dem Video zu extrahieren.

Allgemein ist vorgesehen, dass ein durch den Recorder aufgezeichnetes Video mit den zugehörigen, erstellten Daten zur weiteren Auswertung in den Analyzer geladen wird. Jedoch ist der Analyzer so entworfen worden, dass mit ihm generell jedes bereits existierende Video ausgewertet werden kann, auch wenn dieses nicht mit dem Recorder aufgezeichnet worden ist.

Kontakt

Für technische Fragen, Anregungen und Probleme stehen Ihnen die folgenden Mitarbeiter zur Verfügung.

Publikationen

  • 2016
  • Oliver Karras, Stephan Kiesling, Kurt Schneider: Supporting Requirements Elicitation by Tool-Supported Video Analysis, In 2016 IEEE 24th International Requirements Engineering Conference (RE), pages 146-155. IEEE, 2016. Bibtex. Link
  • 2015
  • Stephan Kiesling, Oliver Karras, Kurt Schneider: ReqVidA - Requirements Video Analyzer, In Gesellschaft für Informatik, Fachgruppentreffen Requirements Engineering, Windisch, 2015. Bibtex. Link

Weitere Referenzen

  • 2015
  • Oliver Karras: Werkzeugunterstützte Analyse von Requirements-Workshop-Videos, Masterarbeit, Leibniz Universität Hannover, Fachgebiet Software Engineering, 2015. Bibtex. PDF herunterladen