Erfahrungsbasis mit Rechtemanagement für Globale Software Entwicklung

Motivation


Verteilte Software Entwicklung bringt viele neue Herausforderungen mit. Diese resultieren auch aus kulturellen und sprachlichen Unterschieden, welche die Kommunikation zwischen Projektpartnern erschweren und damit auch einem effektiven Wissens- und Erfahrungsmanagement im Wege stehen. Projektteilnehmer schrecken davor zurück, sicherheitskritische Erfahrungen weiter zu geben, da sie negative Konsequenzen befürchten. Gerade diese Erfahrungen stellen aber einen hohen Wert da, wenn sie in einer Erfahrungsbasis gespeichert werden, die allen Projektpartnern zur Verfügung steht.
Aus diesem Grund arbeiten wir ein Konzept für ein Erfahrungsmanagement-System mit folgenden (Haupt-)Eigenschaften, das diesen Problemen entgegenwirken soll:

  1. Unser Erfahrungsmanagement-System unterstützt die Verdichtung von rohen Beobachtungsbögen zu Best Practices. Diese Beobachtungsbögen liegen bei den Projektpartnern in verteilter Form vor. Weitere Details haben wir in unserem Beitrag auf der i-KNOW 2011 beschrieben [1].
  2. Wir stellen ein Konzept für Rechtemanagement bereit, welches die unterschiedlichen Erfahrungsstadien und die jeweiligen Benutzerrollen im Software Engineering Bereich abbildet.

Ein Rechtemanagement-Konzept für eine Erfahrungsbasis in verteilten Projekten


Unserer Erfahrung in verteilten Software-Projekten nach sind die folgenden Prinzipien für Rechtemanagement beim Aufbau einer Erfahrungsbasis entscheidende Faktoren:

  1. Der Inhalt der Erfahrungsbasis sollte so frei wie möglich zur Verfügung gestellt werden, um die Benutzer zum Lesen und Beitragen zu motivieren. Es sollte den Benutzern so viele Informationen wie möglich sichtbar sein. Somit können sie sehen, was ihre Kollegen geschrieben oder kommentiert haben und können darauf reagieren.
  2. Die Partner-Organisationen sollten den Zugang zu ihren Inhalten der Basis regulieren können. Firmen produzieren Wissen und Erfahrungen, die teilweise vertraulich behandelt werden müssen.
  3. Es sollte den Organisationen auch ermöglicht werden, aus Erfahrungen und Wissen, die bei den Partnerorganisationen entstehen, Wert zu schöpfen. Die gemeinsamen Erfahrungen sollen allen Partnern aus einem Verbundprojekt neue und wertvolle Einsichten geben - gemeinsames Erfahrungsmanagement im Verbund sollte besser sein als organisationsinterne Erfahrungsmanagement-Initiativen. Daher sollten Erfahrungsingenieure die Möglichkeit haben, auf Erfahrungen aus den Partnerorganisationen zugreifen und diese gemeinsam zu Best Practices verdichten zu können.
  4. Es sollte bedacht werden, dass es unterschiedliche Benutzergruppen gibt, die mit einer Erfahrungsbasis interagieren können. Diese Benutzer haben unterschiedliche Interessen und wollen unterschiedlich aufbereitete Erfahrungen sehen.

Wir unterscheiden Benutzergruppen nach ihren Anforderungen an die Erfahrungsbasis. Abb. 1 stellt die Zugriffsrechte auf unterschiedliche Erfahrungsdokumente in der Basis dar.

 

 

 

GloSE Base Rights Pyramide

Figure 1: Ein Rechtemanagement-Konzept in einer Erfahrungsbasis für globale Software-Entwicklung. Schattierte Bereiche markieren die Dokumente, die nur einer Partnerorganisation zur Verfügung stehen. Jede Benutzergruppe ist in dem Bereich platziert, in dem er Sichtrechte hat. Die durchgezogenen Pfeile zeigen auf die weiteren Bereiche mit Dokumenten, auf die diese Nutzer Zugriff haben. Die gestrichelten Pfeile deuten auf bedingten Zugriff hin. [1]

Realisierung des Konzepts

Wir haben unser Konzepte des Erfahrungs-Verdichtung und Rechtemanagements in einer Erfahrungsbasis für das Global Software Engineering Projekt (GloSE) auf Basis eines MediaWikis implementiert. Wikis sind leichtgewichtig und meistens leicht zu installieren und bieten viele Funktionalitäten für kollaborative Arbeit von Haus aus. Viele Funktionalitäten kann man als Erweiterung hinzufügen. Wir haben uns für ein MediaWiki wegen seiner Popularität entschieden. Es bietet eine riesige Anzahl an Erweiterungen und eine große Community. Außerdem sind die akademischen Projektpartner im GloSE Projekt an ein MediaWiki gewohnt. Wir haben unser MediaWiki mit semantischer Kategorisierung der Erfahrungsartefakte (Semantic MediaWiki) erweitert. Eine weitere Erweiterung (Halo ACL) ermöglicht Seiten-, Attribut-, Kategorie und Namensraum-basierte Zugriffssteuerung für individuelle Nutzer oder Nutzergruppen. Um den Erfahrungsingenieur in seiner Aufgabe der Erfahrungsverdichtung zu unterstützen, wurde ein Plug-In entwickelt, das wenn aktiviert, automatisch markierte interessante Passagen aus Beobachtungsbögen kopiert und in eine Spezialseite einfügt. Diese Textpassagen lassen sich im Nachhinein kategorisieren, bearbeiten, und löschen. Die Hauptseite der GloSE Base ist in Abb. 2 dargestellt. Das Plug-In (aktiviert) ist der gelbe Button mit dem Stift in der rechten oberen Ecke.

 

GloSE Base Main Page
Figure 2: GloSE Base: Eine Realisierung des oben vorgestellten Konzepts für das GloSE Projekt.

Relevante Publikationen

  • 2011
  • [1] Anna Averbakh, Eric Knauss, Olga Liskin: An Experience Base with Rights Management for Global Software Engineering, In Proceedings of 11th International Conference on Knowledge Management and Knowledge Technologies (i-KNOW '11), Graz, Austria, 2011, Bibtex. Abstract.

Studentische Arbeiten